Am Samstag, dem 29. August 2026, war es endlich so weit: Pünktlich um 14.00 Uhr starteten die Jugendfeuerwehren Syrau und Oberpirk in ihren ersten gemeinsamen 24-Stunden-Dienst. Einen ganzen Tag und eine ganze Nacht lang hieß es für unsere Nachwuchsbrandschützer: gemeinsam leben, lernen, Einsätze abarbeiten – und natürlich jederzeit bereit sein, wenn der Gong ertönt.
Zu Beginn bezogen wir erst einmal unser Nachtlager und machten es uns für die kommenden 24 Stunden gemütlich. Um 14.30 Uhr folgte dann die Einteilung auf unsere beiden Einsatzfahrzeuge, das TSF-W aus Oberpirk und das LF aus Syrau. Auch die Positionen innerhalb der Gruppen wurden festgelegt. Unsere Größeren durften dabei schon einmal erste „Gruppenführer-Luft“ schnuppern, während die anderen als Angriffs-, Wasser- oder Schlauchtrupp eingeteilt wurden. Damit im Ernstfall jeder wusste, wo sich welches Gerät befindet, stand anschließend Gerätekunde auf dem Plan. Gemeinsam nahmen wir die Fahrzeuge unter die Lupe und besprachen, was wir bei den verschiedenen Einsatzstichworten benötigen.
Der erste Gong – und sofort Gänsehaut
Nach so viel Theorie hieß es zunächst: ankommen und beim gemeinsamen Kaffeetrinken etwas stärken. Doch lange blieb es nicht ruhig. Um 16.07 Uhr ertönte zum ersten Mal der Gong: „BMA Firma Hauenschild, Oberpirk – eine vermisste Person!“
Plötzlich war Leben in der Wache. Von allen Seiten stürmten die Jugendlichen zu ihren Einsatzsachen, zogen sich in Windeseile um und besetzten ihre Fahrzeuge. Mit Blaulicht und Martinshorn ging es zum ersten Einsatz – ein echter Gänsehautmoment für alle Beteiligten. Vor Ort rüsteten sich die Angriffstrupps mit Atemschutzattrappen aus, während Wasser- und Schlauchtrupp die Wasserversorgung aufbauten. Zwei Trupps gingen anschließend zur Personensuche in die Halle vor. Die vermisste Person konnte gefunden, ins Freie gebracht und dort zur weiteren Versorgung übergeben werden. Auch um die „verrauchte“ Stelle wurde sich gekümmert. Im Anschluss nutzten wir die Gelegenheit, um gemeinsam mögliche Brandlasten und Gefahrenquellen in einem solchen Betrieb zu besprechen.
Als Überraschung lud uns Gerd Hauenschild nach dem erfolgreichen Einsatz noch auf ein gemeinsames Eis ein – darüber freuten sich natürlich alle.
Zurück in der Wache wurden Mannschaft und Fahrzeuge wieder einsatzbereit gemacht. Danach blieb etwas Zeit für Fußball, den Spielplatz und gemeinsame Spiele. Doch bereits um 17.56 Uhr ertönte der Gong erneut: „BMA – Firma Stöcker/Progas“. Also wieder rein in die Einsatzkleidung, Fahrzeuge besetzen und los. Vor Ort stellte sich die Lage glücklicherweise als Fehlalarm heraus. Kaum zurück und umgezogen, ging es schon wieder weiter: „Baum auf Straße mit eingeklemmter Person“. Am Einsatzort fanden wir einen Mann vor, der unter einem umgestürzten Baum eingeklemmt war. Während sich ein Teil der Gruppe um die Bergung und Versorgung des Verletzten kümmerte, übernahm der andere Teil die Beseitigung des Baumes. Gemeinsam konnte der Patient schließlich mit einer Trage gerettet und an den „Rettungsdienst“ übergeben werden.
Erst retten, dann grillen
Nach drei spannenden Einsätzen machte sich langsam der Hunger bemerkbar. Gemeinsam bereiteten unsere Jungs und Mädels den Grill und das Abendessen vor. Dabei stellte sich plötzlich eine wichtige Frage: Was machen wir eigentlich, wenn während des Grillens ein Einsatz kommt? Bleibt jemand zurück oder verbrennt unser Abendessen? Nach kurzer Beratung war die Lösung gefunden: Im Alarmfall kommt der Rost herunter – und nach dem Einsatz wird eben weitergegrillt. Zum Glück gönnte uns der Gong während des Essens eine Pause.
Vollgefuttert und mittlerweile etwas erschöpft saßen alle am gemeinsamen Tisch, als um 20.32 Uhr erneut Alarm ausgelöst wurde: „Abgestürzte Person in einer Baugrube im Bauhof Rosenbach“. Wieder ging es zügig in die Einsatzkleidung und auf die Fahrzeuge. Im Bauhof bestätigte sich die gemeldete Lage. Gemeinsam mit Tobias Brückner bauten die Jugendlichen ein Dreibein mit dem dazugehörigen Material auf. Mithilfe einer Schleifkorbtrage konnte die verletzte Person schließlich sicher aus der Grube gerettet werden. Gerade dieser Einsatz zu später Stunde war für alle Beteiligten noch einmal ein besonderes Erlebnis und ein großer Erfolg. Zurück in der Wache waren die ersten Augen schon ziemlich klein. Trotzdem durfte eine gemeinsame Runde „Werwolf“ natürlich nicht fehlen. Kurz nach 23.00 Uhr fielen schließlich alle müde in ihre Betten.
Ausschlafen? Fehlanzeige!
Wer bei der Feuerwehr ist, kann sich auf eine ruhige Nacht allerdings nicht verlassen. Um 6.47 Uhr erklang am Sonntagmorgen der erste Gong. Noch etwas verträumt und erschrocken kroch ein Kind nach dem anderen aus dem Bett und schlüpfte in die Einsatzkleidung. Am Einsatzort erwartete uns eine etwa fünf Meter lange Ölspur. Hier lernten die Jugendlichen den richtigen Umgang mit Ölbindemittel und dessen Anwendung kennen.
Noch immer etwas müde kamen wir anschließend zurück zur Wache. Doch statt wieder ins Bett zu kriechen, hieß es: Sportkleidung an und Frühsport! Nachdem auch die letzten müden Muskeln wach geworden waren, hatten sich alle das gemeinsame Frühstück mehr als verdient. Um 9.46 Uhr war die Ruhe schon wieder vorbei: „Starke Unwetter – Nilpferd und Igel auf Baum“ lautete das etwas ungewöhnliche Einsatzstichwort. Vor Ort bestätigte sich die Lage tatsächlich. Die Kameradinnen und Kameraden stellten Leitern auf und konnten beide „Tiere“ sicher aus ihrer misslichen Lage retten.
Kaum waren wir zurück und wieder einsatzbereit, ging es um 10.07 Uhr erneut los: „Mülltonnenbrand an der Talsperre Oberpirk“. Die Jugendlichen bauten einen Löschangriff mit Wasserentnahme aus der Talsperre auf und löschten die brennende Mülltonne unter Atemschutz.
Einsatz auf Einsatz bis zum Schichtende
Wieder zurück an der Wache begannen wir mit den Vorbereitungen für das Mittagessen. Doch auch diesmal funkte uns der Einsatzgong dazwischen: „Feldbrand in Unterpirk“. Schnell machten sich alle wieder bereit. Vor Ort bestätigte sich die gemeldete Lage glücklicherweise nicht und wir konnten zurück zur Wache fahren. Während wir dort gerade wieder alles einsatzbereit machten, wurden wir schon vom nächsten und gleichzeitig letzten Einsatz überrascht: „Verkehrsunfall mit eingeklemmter Person – altes LPG-Gelände Oberpirk“. Noch einmal mobilisierten alle ihre letzten Kräfte. Am Einsatzort fanden die Jugendlichen eine unter einem verunfallten Fahrzeug eingeklemmte Person vor. Mithilfe von Hebekissen und Unterbaumaterial wurde das Fahrzeug gesichert und angehoben, sodass die Person befreit und anschließend versorgt werden konnte. Mittlerweile zeigte die Uhr 13.56 Uhr – unsere 24-Stunden-Schicht neigte sich tatsächlich dem Ende entgegen. Zurück in der Wache wurde ein letztes Mal alles verräumt und aufgeräumt. Wir bauten unser Nachtlager zurück, säuberten gemeinsam die Wache und fanden uns abschließend zu einer kurzen Reflexionsrunde zusammen.
Das Feedback unserer inzwischen ziemlich müden und erschöpften Nachwuchsfeuerwehrleute fiel überwiegend positiv aus. Hinter uns lagen 24 Stunden voller Einsätze, Teamarbeit, Spaß, Herausforderungen und neuer Erfahrungen. Die Jugendlichen konnten nicht nur jede Menge Feuerwehrwissen mitnehmen, sondern lernten auch, wie wichtig Zusammenhalt, gegenseitige Unterstützung und Verlässlichkeit im Feuerwehrdienst sind. Kurz nach 14.00 Uhr trennten sich schließlich unsere Wege. Und wir sind uns ziemlich sicher: Der eine oder andere ist zu Hause erst einmal müde ins Bett gefallen.
Ein großes Dankeschön gilt allen Helferinnen und Helfern, die diesen besonderen 24-Stunden-Dienst möglich gemacht haben. Besonders bedanken möchten wir uns bei der Firma Hauenschild, dem Bauhof Rosenbach, der Feuerwehr Arnsgrün für die Bereitstellung der Atemschutzattrappen sowie natürlich bei allen Betreuerinnen und Betreuern der Jugendfeuerwehren Syrau und Oberpirk.
Ohne die vielen helfenden Hände, die vorbereiteten Einsatzszenarien und die Unterstützung im Hintergrund wäre ein solcher Tag nicht möglich gewesen.
Für unsere Jugendfeuerwehren steht nach diesen 24 Stunden jedenfalls fest: Das war ganz bestimmt nicht unser letzter gemeinsamer Dienst dieser Art!